Veränderung und Zusammenarbeit
Wenn das Team wächst und sich (noch) nicht gut kennt
Situation und Kontext
Ein Team war in kurzer Zeit um rund die Hälfte der Mitarbeitenden gewachsen. Gleichzeitig bestanden zwei unterschiedliche fachliche Themen- und Aufgabenschwerpunkte innerhalb des Gesamtteams. Durch die vielen Homeoffice-Anteile hatte das Team bisher kaum Gelegenheit, sich als Ganzes kennenzulernen. Neue Mitarbeitende trafen auf bestehende Strukturen, unausgesprochene Erwartungen und Unterstellungen innerhalb des "Alt-Teams", was eine Ankommen weiter erschwert hat. Die Zusammenarbeit verlief dadurch eher nebeneinander als miteinander. Es gab wenig offenen Austausch, Spannungen wurden nicht angesprochen und Konflikte blieben unterschwellig. Entscheidungen und Aussagen einzelner wurden unterschiedlich interpretiert oder umgedeutet, was Unsicherheiten weiter verstärkte. Auch neue Teammitglieder nahmen dieses „Missgefühl“ wahr, konnten es jedoch nicht einordnen. Ein konstruktives Miteinander im Sinne des gemeinsamen Teamerfolgs war dadurch nur eingeschränkt möglich.
Vorgehen
Ziel war es, wieder in eine gemeinsame Zusammenarbeit zu kommen, Vertrauen aufzubauen, Spannungen zu klären und ein Kennenlernen zu fördern. Dafür wurde ein bewusst mehrstufiger Prozess gestaltet. Den Auftakt bildete ein virtuelles Kick-off mit der Führungskraft zur gemeinsamen Kontextklärung und darauf aufbauend ein virtuelles Kennenlernen mit dem Team. In der anschließenden Vorbereitungsphase erhielten alle Teammitglieder die Möglichkeit, persönliche Themen, Wahrnehmungen und eigene Ziele für die Teamentwicklung einzubringen. Um allen Stimmen den gleichen Raum zu geben, wurden Einzelinterviews mit sämtlichen Teammitgliedern sowie der Führungskraft geführt. So konnte jede Perspektive gehört werden und Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung des Prozesses nehmen.
Auf dieser Grundlage wurde ein zweitägiger Präsenz-Workshop konzipiert. Der erste Tag stand unter der Prämisse, Sicherheit, Vertrauen und Kennenlernen zu fördern. Erst nachdem eine tragfähige Basis geschaffen war, ging es am zweiten Tag darum, bestehende Spannungen, Erwartungen und Unklarheiten offen anzusprechen. Ein besonderer Fokus lag auf Rollenklarheit und dem damit verbundenen Rollenbewusstsein, da sich hier viele Vorbehalte, Unzufriedenheit und Missverständnisse angesammelt hatten.
Der Prozess ermöglichte es dem Team, in einen echten Dialog zu kommen, Spannungen zu benennen und gemeinsam zu reflektieren, statt sie weiter mitzuführen.
Ergebnis
In diesem konkreten Fall gab es zwei Schwerpunkte: Kennenlernen der neuen Teamkolleg*innen und Klärung der zwischenmenschlichen Spannungen – nicht auf der sofortigen Erarbeitung konkreter Maßnahmen. Beide Ziele wurden erreicht. Die Kommunikation verlagerte sich wieder deutlich auf die Sachebene. Sie haben ein besseres Verständnis für den den Gegenüber entwickelt. Vorschläge werden künftig offen eingebracht, ohne die Angst, missverstanden oder als kontrollierend wahrgenommen zu werden. Dies erleichtert Abstimmungen und fördert eine konstruktive, lösungsorientierte Zusammenarbeit. Auch in der Prozessgestaltung konnten Unstimmigkeiten geklärt werden. Durch den offenen Austausch entstand ein gemeinsames Verständnis von Qualitätsansprüchen und Erwartungen in den jeweiligen Aufgabenbereichen.
Am Ende berichteten alle Beteiligten, gestärkt aus dem Prozess zu gehen. Vergangenes konnte benannt und losgelassen werden, um den Blick nach vorn zu richten. Das Team arbeitet heute wieder vertrauensvoller zusammen und begegnet aktuellen Herausforderungen mit einem gemeinsamen Zielverständnis.
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